Während die Dressurreiter ihre Prüfungsaufgabe schon zuhause üben können, stellen sich die Springreiter bei jeder Prüfung einer neuen Herausforderung. Damit Du Dich bei Deinem nächsten Turnier noch besser vorbereiten kannst, gebe ich Dir jetzt meine 12 Tipps für ein besseres Parcours besichtigen.

Orientieren vor der Parcoursbegehung

Schon vor der offiziellen Parcoursbegehung sollte man sich einmal einen groben Überblick verschaffen, sofern es natürlich die Zeit zulässt.

1. Parcoursskizze anschauen

Die Parcoursskizze hängt manchmal am Einritt aus oder kann an der Meldestelle angefragt werden. So kannst Du Dir schon vor der Parcoursbegehung einen Überblick verschaffen. Hier gibt es zum einen ein paar Nebeninformationen wie die Länge, das Tempo, die erlaubte Zeit, Höchstzeit und ggf. den Stechparcours. Aber auch Einritt und Richterturm sind eingezeichnet. Das ganze ist zwar meistens nicht Maßstabsgetreu, aber reicht für einen Überblick defintiv aus.

2. Halten, Grüßen, Losreiten

Auch ganz wunderbar vor dem Besichtigen des Parcours kann man sich schon einmal anschauen wie man am besten Einreitet, an welcher Stelle man grüßt und wie man dann einen perfekten Weg zum ersten Sprung findet. Bevorzugen Du und Dein Pferd zum Beispiel ein Sprung aus einer Rechtswendung, kann man das – je nach Parcours, schon einmal einplanen. Achte dabei natürlich auch darauf, dass Deine Ideallinie zum ersten Sprung durch die Startlinie führt.

3. Ordnungsgemäße Reitkleidung

Es ist zwar nicht wirklich ein Tipp zum bessern Parcoursbesichtigen, aber ich finde es dennoch sehr wichtig sich am Turnier an gewisse Regeln und Vorgaben zu halten. Die Parcoursbegehung beginnt erst, wenn der Parcours von einem Richter freigegeben wurde. Meistens erfolgt dies durch eine kurze Durchsage oder ein einfach Läuten der Richterglocke. Eine Parcoursbegehung vor der offiziellen Freigabe macht außerdem gar keinen Sinn, da hier und da so lange noch etwas verändert werden kann.

Außerdem ist eine ordnungsgemäße Reitkleidung beim Parcours abgehen Pflicht. Das heißt: weiße Reithose, Reitstiefel, mindestens Turnierbluse und der Reithelm! Sicherlich mag es auf dem ein oder anderen Turnier auch geduldet sein, wenn man mal schnell ohne Helm oder in Turnschuhen durch die Parcoursbesichtigung huscht. Ich persönlich habe das auch manchmal aus Zeitgründen gemacht, wurde aber tatsächlich sogar das ein oder andere Mal aus dem Parcours geworfen. Daher denk am besten direkt an Deine passende Reitkleidung.

12 Tipps für besseres Parcours besichtigen

Meine Tipps für Deine Parcoursbesichtigung

Eine Parcoursbesichtigung zu Fuß ist meiner Meinung nach unabdingbar und dient nicht nur der idealen Linienführung, dem Distanzen abmessen sodern auch zum besseren Einschätzen von verschiedenen Situationen. Außerdem ist in manchen Jungpferdeprüfungen auch eine Parcoursbegehung mit Pferd erlaubt. Dies kann man gerade bei Youngstern oder unerfahrenen Pferden nutzen um Ihnen die Sprünge vorab zu zeigen.

4. Immer entlang der Idealline

Beim Abgehen des Parcours solltest Du auch möglichst genau den Weg ablaufen, den Du später reiten möchtest. So prägt man sich nicht nur am besten den Weg ein, sondern erkennt auch von vorneherein schwierige Situationen. Beispielsweise die Optik und den Stand der Sprünge. Steht der Sprung vielleicht zum Ausgang? Ist er von der “schlechten Hand” anzureiten? Oder ist es an sich ein sehr glotziges Hindernis? So ist man schonmal auf viele mögliche Situationen vorbereitet und kann dann im Fall der Fälle relativ entspannt und konsequent auf sein Pferd einwirken und es unterstützen.

5. Den nächsten Sprung im Blick haben

Außerdem sollte man nicht immer nur den Anreitweg zum aktuellen Sprung im Kopf haben, sondern auch den Weg danach zum nächsten Hindernis. Wird beispielsweise die Hand gewechselt? Folgt eine schwierige Distanz oder eine enge Wendung? Denn so kann man sich über dem aktuellen Sprung schon auf die folgende Aufgabe vorbereiten.

6. Bodenverhältnisse beachten

Nicht zu unterschätzen sind außerdem die Bodenverhältnisse. In Reithallen wohl eher seltener, aber auf Außenplätzen und vorallem Grasplätzen kommt es schon mal vor, dass es mal etwas bergauf oder bergab geht. Bergauf muss man dann etwas mehr zureiten und bergab das Pferd etwas mehr versammeln. Auch sehr nasse und rutschige Stellen oder tiefe Löcher können durch das Betrachten der Bodenverhältnisse möglichst gemieden werden.

7. Distanzen abgehen

Der wohl bekannteste Part ist das Abgehen der Distanzen mit dem “Meterschritt”. So findet man die vorgegebene Anzahl der Galoppsprünge heraus.
Die Angaben in der Tabelle sind circa-Angaben und beziehen sich auf ein Großpferd.

7,10 – 8,00m 1 Galoppsprung
10,30 – 11,00m 2 Galoppsprünge
14,00 – 15,00m 3 Galoppsprünge
17,50 – 18,50m 4 Galoppsprünge
21,00 – 22,00m 5 Galoppsprünge
24,50 – 25,50m 6 Galoppsprünge

Allerdings ist dies natürlich nicht so individuell zu sehen, sondern vorallem von der Länge des Galoppsprungs des eigenen Pferdes abhängig. Aber auch die Charaktereigenschaften des Pferdes spielen hier eine Rolle: ist es eher faul oder stürmt in Distanzen gerne etwas los? Ist es vielleicht sogar sehr guckig? Auch ob die Distanz auf einer geraden oder gebogenen Linie ist sollte hier beachtet werden.

8. Trainer um Hilfe bitten

Selbstverständlich und für Einsteiger unbedingt zu Empfehlen ist die Unterstützung des eigenen Trainers. Dieser kennt sowohl Reiter als auch Pferd und kann verschiedene Parcoursabschnitte erklären und hilfreiche Tipps geben. Ebenso kann man natürlich auch ein bis zwei weitere Personen fragen, wie sie Aufgabe x oder Distanz y lösen. Allerdings sollte man hier immer beachten, dass die Personen auch das Pferd kennen um eben möglichst nützliche Tipps geben zu können.

9. Ziellinie nicht vergessen!

Ich denke dieser Punkt sollte klar sein – der Parcours beginnt bei der Startlinie und endet nach der Ziellinie. Demnach unbedingt anschauen wo diese aufgestellt ist, damit der super Ritt am Ende nicht wegen eines solch dummen Fehlers nicht richtig gefeiert werden kann.

12 Tipps für besseres Parcours besichtigen

Nach dem Parcours besichtigen

Aber auch nach der Parcoursbesichtigung kann man noch einiges zur letzten Vorbereitung beachten:

10. Lösungsansätze anschauen

Sofern nach der Parcoursbesichtigung noch etwas Zeit bis zum eigenen Abreiten ist, kannst Du Dir die ersten zwei bis drei Reiter anschauen. So bekommst Du einen ersten Eindruck von vielleicht noch nicht erkannten Schwierigkeiten im Parcours und kannst Dir auch einmal die Distanzen anschauen. Natürlich können Linienführung und Distanzen nicht einfach so für das eigene Pferd übernommen werden, aber es hilft wie gesagt sich nochmal ein paar Punkte im Parcours genauer anzuschauen und daraus dann Lösungsansätze für das eigene Pferd zu konzipieren.

11. Sprünge kurz zeigen

Oft ist es so, dass man schon in den Parcours reiten darf, wenn der Reiter vor einem dran ist. Diese zwei Minuten kann man nutzen, um dem Pferd den Platz, Publikum und das ein oder andere beängstigende Hinderniss zu zeigen. Wichtig ist hierbei natürlich, dass der aktuelle Reiter nicht bei seinem Parcours behindert wird! Also immer Augen auf und am besten schon vorher überlegen, was man dem Pferd zeigen möchte und wie man dem anderen Reiter dabei nicht in die Quere kommt.

12. Eine gute Vorbereitung ist nicht immer alles

Nun hast Du Dir also den Parcours angeschaut, die Distanzen abgemessen und die Ideallinie für Dich und Dein Pferd ausgemacht. Blöd, wenn man dann mal den Einsprung einer Distanz anders als geplant erwischt oder das Pferd an einer Stelle des Parcours etwas klemmt. Das Parcoursbesichtigen ist wichtig und unabdingbar. Allerdings sollte man während des Parcoursreitens immer auf das Pferd reagieren. Man sich beispielsweise für die Distanz für 5 Galoppsprünge vorwärts entschieden. Das Pferd klemmt aber nun wie verrückt und ist unsicher. In so einer Situation sollte man vom vorher geplanten Weg abkommen und lieber 6 versammelte Galoppsprünge reiten um dem Pferd wieder mehr Sicherheit und Vertrauen zu geben.

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