How to: Fotografieren im manuellen Modus

How to: Fotografieren im manuellen Modus

In meinem ersten richtigen Fotografie-Blogpost ging es um Tipps für schönere Fotos mit einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera und dem Kit Objektiv. Ich freue mich sehr, dass dieser Beitrag so gut bei euch angekommen ist und ich wirklich ganz viel Feedback bekommen habe. Eigentlich sollte es jetzt wöchentlich mit der Vorstellung meiner Objektive und meinem anderen Fotoequipment weitergehen, aber dazwischen muss ich jetzt einmal diesen Beitrag schieben. Denn mich erreichten auch einige Fragen zum manuellen Modus und daher möchte ich euch in diesem Beitrag die ganzen Funktionen erklären und euch abschließend ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie ihr die richtigen manuellen Einstellungen findet.

Bye bye Automatikmodus

Ich war tatsächlich überrascht wie viele Menschen eine gute Spiegelreflex- oder Systemkamera besitzen, aber nur im Automatikmodus fotografieren. Dabei will ich den Automatikmodus hier absolut nicht verurteilen – die Technik hat heutzutage ja schon ordentlich was drauf. Aber in “schwierigen” Situation trifft sie eben auch nicht immer die besten Entscheidungen. Ebenso wenn man einen bestimmten Bildlook kreiren will, ist der Automodus nicht unbedingt immer eine Hilfe.

Kerstin von Buddy Schreibt kommentierte unter dem letzten Blogpost:

Trotz Fotokurs und wirklichem Spaß an schönen Bildern drücke ich mich noch immer vor der Beschäftigung mit der Technik, merke jetzt allerdings immer mehr, wie sehr ich an meine Grenzen komme im Automatikmodus in der Morgendämmerung mit zwei Hunden.

Ebenso hatte ich auf Instagram ein nettes Gespräch bei dem die Person so enttäuscht darüber war, dass ihre Fotos beim Bearbeiten nie so richtig schön scharf waren. Der manuelle Modus würde sie aber nerven – da muss man ja immer so viel umstellen.

How to: Fotografieren im manuellen Modus

Fotografieren im manuellen Modus ist nicht schwer – das kannst Du auch!

An dieser Stelle erst einmal: Kopf hoch! Genau die gleichen Probleme hatte ich auch und ich war wirklich am verzweifeln, enttäuscht und teilweise auch richtig wütend. Da zieht man samt Kamera und Hund los, findet eine tolle Location und knippst drauf los. Die Ergebnisse sind am Ende unbrauchbar und man würde die Kamera am liebsten in die Ecke werfen.

Allerdings müsst ihr euch an dieser Stelle vom Automatikmodus verabschieden. Aber ich verspreche euch, dass das Fotografieren im manuellen Modus gar nicht viel schwerer und zeitaufwändiger ist und ihr am Ende sehr viel schönere Bildergebnisse haben werdet.

Blende

Vielleicht sind euch schonmal die komischen Zahlen und Bezeichnungen auf eurem Objektiv aufgefallen. Hier steht neben der Brennweite auch die Angabe zur Offenblende des Objektivs. Bei meinem 85mm steht hier beispielsweise 1:1.8 – was bedeutet, dass die Offenblende bei diesem Objektiv bei 1.8 liegt. Beim 18-55mm Kit Objektiv hingegen steht 1:3.5-5.6 – bei diesem Objektiv verändert sich die Offenblende in Abhängigkeit zur Brennweite: bei 18mm bedeutet das f/3.5 und bei 55mm f/5.6.

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Was bedeuten all die Bezeichnungen und Zahlen auf meinem Objektiv?

Die Blendenzahl bestimmt, wieviel Licht auf den Kamerasensor fällt. Bei der Offenblende – kleine Zahl – ist die Blende maximal geöffnet. Das heißt, dass der Sensor ganz viel Licht aufnehmen kann. So könnt ihr beispielsweise auch im Wald trotzdem genug Licht “auffangen”, damit das Bild am Ende nicht zu dunkel ist. Umgekehrt bedeutet eine höhe Blendenzahl also, dass umso weniger Licht auf den Kamerasensor fällt.

Fotografiert man mit der Offenblende seines Objektivs, hat man die Möglichkeit sein Motiv ganz wunderbar freizustellen. Denn der Hintergrund verschwimmt egelrecht und zaubert je nach Hintergrund ein tolles Bokeh. Es ist also nur ein relativ geringer Teil des Bildes scharf. Umso höher man also die Blendenzahl dreht, umso mehr Bereiche im Foto werden scharf.

Man sollte aber auch stets beachten, dass die Offenblende nicht immer die beste Wahl ist. Denn gerade bei den Objektiven mit zum Beispiel f/1.4 – wie meinem 50mm – stellt man fest, dass das Objektiv erst ein bis zwei Blendenstufen geschlossener seine volle Schärfe zeigen kann. Ebenso ist das Risiko bei einer so offenen Blende natürlich deutlich größer, dass der Fokus etwas abrutscht und beispielsweise die Nase, statt den Augen scharf ist.

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Vorder- und Hintergrund verschwimmen dank offener Blende! [ISO 100 | 50mm | f/1.8 | 1/200Sek.]

Verschlusszeit / Belichtungszeit

Die Verschluss- oder auch Belichtungszeit genannt, beschreibt die Dauer der Belichtung des Sensors. Mit kurzen Verschlusszeiten wie zum Beispiel 1/2000Sek. könnt ihr bewegende Objekte regelrecht “einfrieren”. Allerdings wird das Bild dadurch auch dunkler, da ja nur sehr kurz das Licht auf den Sensor fällt. Ebenso kann man durch eine schnelle Verschlusszeit auch leichte Verwackler des Fotografen verhindern.

Eine längere Verschlusszeit wird zum Beispiel gerne in der Landschaftsfotografie verwendet einen ganz weichen Effekt bei Wasser zu zaubern. Da der Sensor teilweise mehrere Sekunden belichtet wird – sich das Wasser aber natürlich währenddessen bewegt – verschwimmt es nachher auf dem fertigen Bild und es entsteht ein toller Effekt. Bei langen Verschlusszeiten ist aber unbedingt ein Stativ zu empfehlen, denn so still kann niemand seine Hand mehrere Sekunden halten.

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Mit einer langen Verschlusszeit kann dieser tolle Effekt erzielt werden!

ISO

Die ISO beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Umso höher man den ISO-Wert einstellt, umso lichtempfindlicher wird der Sensor und das Bildergebnis heller. Allerdings entsteht bei einer hohen ISO auch das sogenannte Rauschen, was meistens ein eher unschöner Effekt ist.

Wie hoch ihr die ISO einstellen könnt und ab wann es rauscht ist abhängig von eurer Kamera. Bei Vollformatkameras kann man tendenziell immer die ISO etwas höher einstellen als bei Crop-Kameras ohne dass der Rausch-Effekt eintritt.

Bei meiner Canon EOS 700D versuche ich die ISO im besten Fall nie höher als 400 zu stellen. In ganz großen Ausnahmen auch mal 800 – aber das ist schon mein persönliches Maximum.

Die richtigen Einstellungen im manuellen Modus finden

Wie ihr vielleicht merkt, drehen sich alle Punkte vorallem um ein Thema: Licht. Jede Funktion bringt allerdings auch noch einen andern Effekt mit sich, welche letztendlich so auf das Motiv abgestimmt werden müssen, dass am Ende das gewünschte Bild entsteht. Da ich ja vorallem in den Bereichen Tier- und Sportfotografie wohl fühle, sind die nachfolgenden Tipps natürlich auch hauptsächlich darauf ausgelegt. Die erste Frage die ich mir immer stelle ist: Portrait oder Bewegungsfoto?

Bei einem Portrait oder einer Detailaufnahme steht für mich natürlich die Freistellung und das Bokeh im Vordergrund. Das bedeutet kurz und knapp Offenblende oder ein bis zwei Stufen abblenden. Beim Bewegungsfoto ist natürlich auch das Ziel, das Objekt schön scharf zu bekommen. Heißt wir benötigen hier vorallem eine schnelle Verschlusszeit. Bei mir bewegt sich das meistens im Bereich 1/1200Sek. bis 1/2000Sek.

Als nächstes setze ich mich dann mit den Lichtverhältnissen auseinander. Dabei habe ich tatsächlich ersmal meine “idealen” Einstellungen drin und mache damit zunächst ein Testfoto. Anschließend passe ich die Werte soweit an, bis ich die besten Einstellungen gefunden habe. Tendenziell fotografiere ich aber immer einen Tick dunkler und helle das Bild anschließend in der Bildbearbeitung auf. Ansonsten passiert es nämlich schnell mal, dass euch das weiß “ausbrennt” und keine Struktur mehr hat. Das kann in der Bildbearbeitung dann leider nicht mehr gerettet werdenn.

Zurück zu meinen Beispielen: Bei Portraitfotos stehen mir noch ISO und Verschlusszeit zur Verfügung. Meistens stelle ich anfangs ISO 200 und 1/200Sek. ein – so ein Tier bewegt sich ja doch gerne nochmal ein bisschen. Ist das Ergebnis zu hell, kann ich nun die ISO auf 100 runterschrauben und die Verschlusszeit noch etwas verkürzen. Ist es zu dunkel, stelle ich hingegen die ISO auf 400 und verlängere die Verschlusszeit.

Bei Bewegungsfotos möchte man natürlich auch eine tolle Freistellung, aber natürlich auch nicht ständig den berühmt-berüchtigten Nasenfokus. Unter Blende f/2.2 gehe ich also bei Bewegungsfotos nur selten. Falls es trotz offener Blende noch zu dunkel ist, kann ich die ISO noch ein bis zwei Stufen höher stellen. Gegebenenfalls überlege ich, ob ich vielleicht nicht doch ein wenig kürzer belichten kann. Bei 1/2000Sek. kann man auch gut nochmal bis 1/1200Sek. runter gehen.

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Bewegung einfrieren dank kurzer Verschlusszeit [ISO 200 | 85mm | f/1.8 | 1/800Sek.]

Übung macht den Meister

Wenn ihr die ersten Male im manuellen Modus fotografiert, kann – und wird es wahrscheinlich – passieren, dass eure Fotos erst einmal noch “schlechter” werden als im Automatikmodus. An diesem Punkt dürft ihr aber nicht aufgeben, denn es gehört natürlich ein wenig Übung und Erfahrung dazu, die richtigen Einstellungen direkt zu wählen.

Ihr werdet schnell merken, wie sich die drei Einstellungen zueinander verhalten und auch verschiedene Situatione kennenlernen. Irgendwann wisst ihr dann ganz genau, wie ihr eure Kamera beispielsweise bei einem Shooting im Wald oder einem rennenden Hund einstellen müsst.

Ist euch das erstmal zu viel des guten? Kein Problem – dann probiert doch einfach mal die Halbautomatik-Modi eurer Kamera aus! Bei meiner Canon sind das Tv (Blendenautomatik) und Av (Zeitautomatik). Hier müsst ihr nur eine Komponente wählen – Blende oder Verschlusszeit. Die restlichen Einstellungen wählt dann eure Kamera. Hier kann man sich dann auch nachträglich einmal anschauen was dies für automatische Einstellungen waren und diese dann mit eurem Wissen noch zu optimieren.

Habt ihr noch weitere Fragen? Dann stellt sie mir sehr gerne in den Kommentaren! Ansonsten wünsche ich euch ganz viel Spaß beim ausprobieren und üben! 🙂

How to: Fotografieren im manuellen Modus

Alles verstanden? Dann schnell Akku aufladen und üben üben üben! 🙂 [ISO 200 | 85mm | f/1.8 | 1/640Sek.]

Dieser Beitrag ist übrigens weder in Kooperation mit Canon noch Adobe entstanden. Mein gesamtes Fotoequipment sowie die Bearbeitungssoftware habe ich selbst erworben.

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